Mustafa Atici
in den Nationalrat

«Ungerechtigkeiten beginnen im Kindergarten. Die unterschiedlichen Startchancen können wir mit Frühförderung ein gutes Stück ausgleichen. Deshalb engagiere ich mich mit Herzblut für mehr Chancengerechtigkeit, damit alle ihre faire Chance bekommen.»

Persönliches über Mustafa Atici

 

1. Familie und Freizeit

Ich bin 1969 in der Stadt Elbistan des gleichnamigen Landkreises in der türkischen Provinz Kahramanmaras geboren. Ich stamme aus einer elfköpfigen Familie. Ich bin der viertjüngste. Alle meine Geschwister — vier Schwestern und vier Brüder — leben ebenfalls im Ausland. Die Provinz, aus der ich stamme, bildet jedoch nach wie vor die Heimat vieler alevitischer Kurdinnen und Kurden. 1992 bin ich zur Weiterbildung in die Schweiz gekommen und geblieben. Zu der von mir hier in Basel gegründeten Familie gehören meine Frau Cennet, sowie meine beiden Buben Dogucan (geboren 2000) und Guney (geboren 2005). Dogucan bedeutet übrigens «Die Seele aus dem Osten» und Guney «Der Süden».

In meiner Freizeit lese ich bevorzugt Literatur von alten Philosophen und höre klassische Musik und Folklore. Genauso gerne halte ich mich in der Natur auf oder treffe mich regelmassig mit Familienmitgliedern und Freunden zum Essen und zum Austausch.

 

2. Ausbildung und Beruf

Nach der Primarschule (1974 – 1979) in Elbistan und der Realschule in Gaziantep von 1979 bis 1982 besuchte ich in Istanbul das Gymnasium Pertevniyal (1982 – 1987). Nach zwei weiteren Schuljahren, in welchen ich mich auf die Universität vorbereitete, belegte ich an der Universität in Ankara den Studiengang Industrieingenieur (schweizerisch: Wirtschaftsingenieur). Das ist ein interdisziplinäres Studienfach, in welchem mathematisch-naturwissenschaftliche, betriebs- und volkswirtschaftliche sowie technische Disziplinen miteinander verbunden sind. 1992, ich war damals 23 Jahre alt, reiste ich als Student nach Basel. Hier immatrikulierte ich mich an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und wechselte nach drei Jahren für ein zweijähriges Nachdiplomstudium «Master of Advanced European Studies» ans Europa-Institut.

Geschäftlich bin ich als selbständiger Berater und Unternehmer, zusammen mit meinen Brüdern, im Bereich Lebensmittel und Catering tätig.

 

3. Meine Integration

Natürlich habe ich als Immigrant, der 1992 zur Weiterbildung aus der Türkei in die Schweiz gekommen ist, mit der Integration unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Gesellschaftliche Ebene

Am Anfang, ich sprach noch nicht so gut Deutsch, war es für mich fast nicht möglich zur Gesellschaft einen Zugang zu finden. Ich habe mich im Kontakt immer blockiert gefühlt. Ich habe mich eher versteckt und in Gesellschaft zurückgehalten. Das war eine schwierige Zeit für mich. Gleichzeitig ist mir bewusst: Ich habe während dieser Zeit studiert, und wurde dabei von meiner Familie auch finanziell unterstützt. Damit hatte ich sicher bessere Startbedingungen, als jemand, der gleich nach seiner Ankunft eine Arbeit finden und etwas verdienen muss. Zugleich hatte ich ein Ziel und, damit verbunden, die feste Absicht, in der Gesellschaft in der Schweiz einen Platz zu finden. Nach drei Jahren habe ich mich dann definitiv entschieden, in der Schweiz zu bleiben. So ist meine zweite Heimat meine Heimat geworden. Ich fühle mich hier Zuhause und zweifle nicht mehr an meinem Entscheid. Dazu möchte ich noch sagen: Wirklich integriert fühlte ich mich erst, nachdem ich die deutsche Sprache einigermassen erlernt hatte.

Wirtschaftliche Ebene

Als Mitinhaber eines Familienunternehmens und seit Beginn 2007 als Berater habe ich gute Erfahrungen mit anderen, einheimischen Geschäftsleuten gemacht. Meine Herkunft spielt bis heute in meinem geschäftlichen Umfeld eine untergeordnete Rolle. Ich bin aber sicher: Als Mitarbeiter irgendeiner Firma – also nicht im Schosse von Familienmitgliedern – wären von mir sicher mehr Integrationsbemühungen abverlangt worden!

Politische Ebene

Mit meiner Rolle als Grossrat von 2005 bis 2019 im baselstädtischen Parlament erhielt das Thema Integration für mich eine erweiterte Bedeutung. Für mich stellt sich jetzt nicht mehr so sehr die Frage nach meiner persönlichen Integration, sondern was ich auf der politischen Ebene zur Integration anderer beitragen kann.

 

4. Politischer Werdegang

Zehn Jahre nach meiner Ankunft in der Schweiz trat ich im Jahre 2001 in die Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt ein. Drei Jahre später stellte ich mich als Kandidat für die Grossratswahlen zur Verfügung, und erreichte 2004 die Wahl in den Grossen Rat. Als Parlamentarier sammelte ich spannende und interessante Erfahrungen. 2007, 2011 und 2015 kandidierte ich auf der SP-Liste für den Nationalrat. Zudem war ich von  2005 bis 2019 Mitglied der Finanzkommission des Grossen Rates. 2008, 2012 und 2016 wurde ich jeweils erfolgreich wiedergewählt.

5. Lebenslauf

Persönliche Daten

Name, Vorname: Atici, Mustafa

Geburtsdatum: 2. Oktober 1969

Geburtsort: Elbistan (Türkei)

Staatsangehörigkeit: Schweiz/Türkei

Familienstand: verheiratet mit Cennet

Zwei Knaben: Dogucan (geb. 2000) und Guney (geb. 2005)

Freizeit/Interessen: Freunde, Kultur, Philosophie, klassische und folkloristische Musik, Natur

Schulbildung

1974 – 1979: Primarschule Alcicek, Elbistan (TR)

1979 – 1982: Realschule Sehit Sahin, Gaziantep

1982 – 1985: Gymnasium Pertevniyal, Istanbul

1985 – 1987: Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Universität, Istanbul

Universitätsstudium in der Türkei

1987 – 1991: Industrie-Ingenieur-Studium an der Gazi Universität, Ankara; Abschluss mit Diplomtitel

Praktika in der Türkei

Sommer 1988: Betriebspraktikum bei der Textilfirma Mensucat Santral, Istanbul

Sommer 1989: Praktikum in der Produktionsplanung bei der Firma Bozkurt, Istanbul

Sprachkenntnisse

Muttersprache: Kurdisch/Türkisch

Deutsch: Sprachkurse seit 1992 NHS, Berlitz und Universität Basel

Französisch: fünfwöchiger Sprachaufenthalt

Englisch: dreimonatiger Sprachaufenthalt in Hastings (GB), Sommer 1994

Universitätsstudium in der Schweiz

1992 – 1995: Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel

1996 – 1998: Master of Advanced European Studies Studium am Europa-Institut der Universität Basel, Abschluss mit dem MAES

Berufliche Tätigkeit in der Schweiz

2002: Unternehmer, Geschäftsführer, AS Cityline AG, Restaurant Take Away am Steinenberg in Basel

Seit 2001: Geschäftsführer der A Foodliner GmbH, Basel, Stadion-Catering

2000 bis 2016: Geschäftsführer der AD Management GmbH, Basel, Stadion-Caterer

Seit 2003: Unternehmer, Arslan GmbH Pratteln, Export/Import

Seit 2007: Beratermandat für Arslan GmbH Pratteln, Export/Import

Politische Tätigkeit

2001: Eintritt in die SP-Basel-Stadt

2004: Vorstandsmitglied des Quartiervereins Gundeli Bruderholz

2004: Mitglied der Schulinspektion

10/2004: Wahl in den Grossen Rat Basel-Stadt

2004/2005: Delegierter des Quartiersekretariats Kleinbasel

2005: Co-Präsident des QV-Gundeli Bruderholz

2005: Grossrat und Mitglied der Finanzkommission

2010: Mitglied des SP-Fraktionsvorstandes

2012: Präsident der SPS-MigrantInnen

2013 bis 2017: Vizepräsident der SP Basel-Stadt

2/2019: Nomination zum Nationalratskandidat der SP Basel-Stadt

4/2019: Rücktritt aus dem Grossen Rat

Politische Themen-Schwerpunkte
  • Kleine und mittlere Unternehmen KMU
  • Bildung und Frühförderung
  • Migration und Integration
  • Partizipation
Soziale Tätigkeiten / Mitgliedschaften in Vereinen

Präsident

  • Kommissionspräsident GGG Migration
  • Co-Präsidium Fachkommission Migration und Integration der SP Schweiz

Vorstandsmitglied

Mitgliedschaften

  • GGG
  • Gewerbeverband Basel
  • Gewerkschaft Unia
  • Schweizerisches Arbeiterhilfswerk Basel SAH
  • Verein Kaserne, Basel
  • Neutraler Quartierverein Kleinbasel
  • Crescenda, Gründungszentrum für Migrantinnen
  • Alevitischer Kulturverein
  • Neue Helvetische Gesellschaft NHG, Basel
  • Quartierverein Gundeli Bruderholz
  • FABE: Familien-, Paar- und Erziehungsberatung